Our Burmese Days (Part 2)

Hier also noch der zweite Teil unseres Berichts…

29/11     Fieber bereits wieder weg. Phil gibt als Abschluss seiner Zeit im Kloster dem 15-koepfigen “IT-Team” einen “Network”-Kurs. Ich gehe in dieser Zeit mit Swe Zin (einer weiteren Lehrerin) auf dem grossen Markt einkaufen (vor allem burmesische Pop-Musik, aber auch einen traditionellen Wickelrock suche ich mir aus) und im Anschluss ihre Schwester besuchen, welche in einem der aermeren Stadtteile wohnt. Ihre Eltern (Reisbauern) sind am Vorabend eingereist aus einem Dorf im Norden, welches im fuer Touristen unzugaenglichen Landesteil liegt. Enorm neugierig streifen mir beide mit der Hand ueber die Haut und erklaeren ihrer Tochter, dass sie jetzt im Dorf etwas zu erzaehlen haetten! Ein feines Mittagessen (mit Haenden gegessen, wie ueblich) und dann geht es wieder weiter. Im Anschluss statten wir Swe Zin’s Moench einen Besuch ab. Bei Ankunft macht er gerade ein Mittagsschlaefchen, steht aber gleich auf und offeriert mir als erstes etwas zu trinken… einen Energy-drink (!!!). Dann gibt es eine kleine Fuehrung des Klosters, vor allem die Bibliothek mit den Pali-schriften finde ich faszinierend. Beide erhalten wir noch eine Segnung mit auf den Weg. Abends verabschieden wir uns von den Leuten in “unserem” Kloster und geniessen ein letztes Essen mit unseren neuen Freunden.
30/11    Um 5 Uhr in der Frueh besteigen wir das Schiff und geniessen eine aufregende 12-stuendige Bootsfahrt den Fluss runter. Die vielen Einheimischen, welche zusammengekauert auf dem Boot sitzen(sie frieren zu dieser Jahreszeit, ihrer Wintersaison) erfreuen sich an Philippe, ganze Konversationen mit Haenden und Fuessen werden gefuehrt. Bei jedem Halt steigen etliche Verkaeuferinnen ein, beladen mit Snacks, welche zum Verkauf angeboten werden. Wir geniessen eine mitgebrachte Papaya, auf dem Boot gekaufte Bananen, und ein paar Tassen mit Wasser aufbereiteten Nescafe “3 in 1″, den wir hier lieben gelernt haben (aufgrund des Mangels an echtem Kaffee).
01/12    Nach dem Fruehstueck erkunden wir mit Pferdekutsche und Fahrer Bagan einen Tag lang (zusammen mit Joerg aus Berlin). Den ganzen Tag lang besuchen wir eine Pagode nach der anderen, besteigen eine nach der anderen (und geniessen fantastische Aussichten), fuehlen uns in manchen wie Indiana Jones. Oft werden wir von zustaendigem Personal mit einer Taschenlampe durch Gaenge gefuehrt. Momentan hat der Tourismus aufgrund von politischen Unruhen und Naturkatastrophen einen Tiefpunkt erreicht, die Leute scheinen auch wirklich darunter zu leiden. Eine Verkaeuferin ist von Phil’s schwarzem T-shirt (in der Schweiz gekauft fuer 20 CHF) dermassen begeistert, dass sie ihm eines ihrer schwarzen Leinenhemden im Tausch anbietet… Tauschhandel abgeschlossen!
02/12    Fauler Tag in Bagan: Mails checken (uns informieren re: Bangkok’s Flughafenprobleme und Indien’s Terroranschlaege), bei einem feinen Inder essen, viel lesen. Haben unterdessen Orwell’s “Burmese Days” gelesen, was spannend war. Hier in Bagan entdeckt: sogenannte “Tamarind-Flakes”, kleine Bonbons aus Tamarinde, eine suesse Delikatesse.
03/12    Um 3 Uhr morgens den Bus nach Kalaw bestiegen und die holprigste, kaelteste Busfahrt seit Beginn unserer Reise erlebt. Aus unerklaerlichen Gruenden laesst der Fahrer die Tuere die ganze Fahrt ueber offen stehen. Noch in der Dunkelheit wird ein paar Mal gehalten, mehrmals koennen wir uns verkoestigen mit frittierten Teigrollen und Nudeln. Nachmittags gehen wir auf dem lokalen Markt einkaufen und “kochen” unsere eigenen Salate, den lokalen Kohlsalat mit Chilis und einen Avocadosalat.
04/12    Tag 1 unseres dreitaegigen Treks nach Lake Inle mit “Jimmy”, unserem persoenlichen Guide. Wieder im Shan-state ist die Landschaft aehnlich wie damals in Hsipaw, zu Beginn unserer Myanmarreise. Etliche Teefelder, wunderschoene Gruentoene. Insgesamt wandern wir etwa 20 km, mehr ein Spaziergang als ein Trek. In den jeweiligen Doerfern die wir besuchen begruessen uns immer eine Horde Kinder, denen wir Bonbons verteilen (was rueckblickend wohl weniger sinnvoll war, da Zaehneputzen eher unueblich ist). Sehen viele “Topa-dee”-Baeume (Avocado). In den verschiedenen Doerfern werden wir mehrmals zum Tee eingeladen, Jimmy erzaehlt uns zu den jeweiligen Staemmen ihre Entstehungsgeschichte (meist hat es irgendwie mit dem Mond zu tun) und wir sehen viele traditionelle Trachten. Uebernachtet wird bei einer Familie in einem simplen Holzhaus auf Stelzen, in dem die Waende mit alten Zeitungen tapeziert sind. Unter uns hausen die Wasserbueffel. Der mitgereiste Koch (unser “personal chef”) kocht uns ein unvergessliches Abendessen: Bei Kerzenlicht essen wir Curries, Suppen, Reisgerichte, fantastische Kreationen. Immer und immer wieder werden unsere Schuesseln ein wenig aufgefuellt.
05/12   Nach einer kalten Nacht wachen wir auf und werden mit einem schon vorbereiteten Fruehstueck begruesst. Kurz vor Sonnenaufgang marschieren wir wieder los, insgesamt auch an diesem Tag etwa 20 km. Sehen an diesem Tag unglaublich viele Chilifelder, eine der Haupteinkuenfte des Pa’O-stamms. Man koennte meinen, dass alle Chilis der Welt aus Myanmar stammen. Sehen mehrheitlich Frauen und Kinder und bewundern ihre farbigen Kleider: Waehrend die Pa’O schwarze Kleider und herrlich bunte Turbane tragen ist bei den Palau ein starkes Rosa angesagt. Einmal treffen wir auf eine Frau mit einer schlimm eiternden Wunde am grossen Zehen, die sie mit einem Bonbonpapier vor dem Dreck schuetzt. Lassen alle unseren Vorraete an Verbandmaterial bei ihr und versuchen ihr via Jimmy zu erklaeren, dass sie die Wunde waschen sollte. Kommen gegen Abend in einem Kloster an, wo wir als erstes eine (kalte) Dusche nehmen. Geniessen dann ein weiteres Festmahl und schlafen im grossen Saal ein. In diesem Kloster hausen ca. 10 Novizen mit ihren Lehrmoenchen; Abends sitzen die Kleinen alle vor dem alten (vom Generator angetriebenen) Fernseher und schauen einen chinesischen Actionfilm. Das Leben der Moenche…
06/12    Der wohl schoenste Moment unserer ganzen Zeit in Myanmar: Wir wachen zum Pali-gesang der kleinen Moenche kurz nach 6 Uhr auf, geniessen in aller Ruhe noch die monotonen Sprechgesaenge der Kleinen. Nach einer Abschiedssegnung machen wir uns wieder auf den Weg und geniessen letzte 5 Stunden Trekking mit Jimmy. Kommen schliesslich in Indein an, einer Ortschaft am Inle Lake, von wo aus wir mit einem Kanu-aehnlichen Schnellboot ueber den See gefahren werden. Im See wuchert es aufgrund von zu viel Duenger (benutzt in umliegender Region) von Algen… die Fischer benutzen ihre Paddel, um auf das Wasser zu schlagen, um die Fische zu lokalisieren. Abends goenne ich mir eine “Myanmar-Massage” (Viele Druckpunkte, ohne Oel) bei einer alten, zahnlosen Frau.
07/12    Verbringen einen Tag am See, gehen auf dem lokalen Markt einkaufen und machen wieder unsere eigenen Salate, suchen ein Internet-Cafe auf und verbringen ein paar Stunden mit Reiseplanung. Abends finden wir per Zufall ein kleines italienisches Restaurant, welches Holzofenpizza macht, mit hausgemachtem Teig! In der Umgebung sehen wir zudem viele Kinder mit Drachen, welche auch eine Art Spiel a la “Kite Runner” spielen.
08/12    Ein weiterer fauler Tag am See. Lesen viel, erledigen restliche administrative Sachen und gehen dann wieder zum Italiener. Diesmal Gnocchi, hausgemacht, unglaublich gut.
09/12    Gegen Mittag steigen wir in den “Luxury VIP”-bus fuer die Fahrt nach Yangon. Der Bus ist einiges bequemer als das, was wir sonst so in Myanmar erlebt haben, aber ziemlich eng. Ungluecklicherweise sitzt hinter uns (ueber zwei Sitze verteilt, in etwa zehn Decken gehuellt) eine alte Frau, welche von zwei juengeren Frauen versorgt wird. Alle zehn Minuten massieren sie ihre Beine mit “Tiger Balm” ein und bewegen sie wild umher in einer Art Gymnastikuebung. Der Geruch von Tigerbalsam wird uns die ganze Fahrt lang begleiten. Den ganzen Nachmittag hindurch halten wir alle paar Stunden an, durch die Nacht hindurch muessen wir mehrere Male aus dem Bus steigen und zu Fuss (Pass in Hand) ueber irgend einen Checkpoint laufen. Von einer Frau im Bus erfahren wir, dass diese Checkpoints existieren, weil gewisse Minderheiten nicht aus ihrem Gebiet ausreisen duerfen. Da spuert man wieder die Militaerdiktatur, die sonst so ruhig im Hintergrund weilt.
10/12    Um fuenf Uhr in der Frueh Ankunft in Yangon. Finden zum Glueck ein Hotel welches einen dermassen fruehen Check-in erlaubt, ohne dass wir fuer eine ganze Nacht bezahlen muessen (in China haetten wir das ganz bestimmt tun muessen). Das Taxi welche uns von der Bushaltestelle zum Hotel bringt hat keine Stossdaempfer mehr, und ich spuere an meinem Hintern die kalte Luft… in der Dunkelheit hoffen wir einfach auf eine sichere Ankunft. Unser Hotelzimmer aehnelt erinnert gleichzeitig an eine Schiffskajuete und an eine Gefaengniszelle, ist aber dafuer billig. Erste Erkundung von Yangon: Sehen einen der Haupttempel, “Sule Paya”, geniessen den Anblick der verkommenen Haeuser im Kolonialstil (erinnert irgendwie an eines von Phil’s Videogames). Abends kommen wir per Zufall an einem Kino vorbei und kommen spontan in den “Genuss” des neuen Bond Films (der leider eine volle  Enttaeuschung ist, ein Bondfilm ohne Gadgets ist kein Bondfilm!).
11/12    Weigern uns, an diesem Tag Geld fuer Taxis oder dergleichen auszugeben und gehen den ganzen Tag ueber zu Fuss. Laufen ca. zwei Stunden zur beruehmten “Shwedagon” Pagoda, einer fast hundert Meter hohen, vergoldeten Pagode, welcher die wichtigste Pilgerstaette fuer die vielen Buddhisten im Land ist. Allgemein haben wir wunderschoene Einblicke in den Theravada Buddhismus erhalten, eine total friedliche, positive, und vor allem tolerante und offene Religion.
12/12    Letzter volle Tag in Myanmar. Verbringen den Tag mit Packen, Lesen, und Postkarten schreiben. Insgesamt 25 Karten schreibe ich: Allesamt kostet der Versand dieser 25 Karten etwa einen Dollar… ob diese wirklich ankommen nimmt mich wirklich Wunder.
13/12    Gingen fruehmorgens zum Flughafen, einem topmodernen Gebaeude aus Glas, welches fast ganz leer steht. Muessen noch je $10 abdruecken, um Ausreisen zu duerfen (wohl Flughafentaxe, aber tuttrotzdem weh, da wir in Myanmar durchschnittlich etwa $30 pro Tag fuer uns Beide in Anspruch nehmen). Dank billiger Air Asia Flug nach Bangkok, und fertig sind unsere persoenlichen “Burmese Days”.

Fazit: Unsere 28 Tage in Myanmar waren definitiv die interessantesten und eindruecklichsten der ganzen bisherigen Reise. Das Reisen war (vor allem im Vergleich zu China, wo wir herkamen) sehr einfach. Die Leute haben immer ein Laecheln bereit, sind hilfsbereit, sind sehr fokussiert auf Familie und Gemeinschaft, und geniessen einen (unserer Meinung nach sehr starken) Zusammenhalt. Leider leiden sie gleichzeitig unter fatal schlimmer Regierung, welche das sehr reiche Land (Myanmar gibt vieles an Bodenschaetzen her, hat angeblich die beste Jade und unheimlich viel Teakholz) ausbeutet.

2 Responses to “Our Burmese Days (Part 2)”


  1. 1 hanno (hartmann,Starnberg)

    Hallo Amelia, hallo Philippe,

    heute (5.6.!!!!!) kam Eure Namaste-Karte aus Indien – geschrieben am 5.3.09 vor der Abreise nach Nepal). Ich habe mich sehr gefreut und schon ziemlich viel im blog gelesen.

    Leider habe ich den Burma-Teil Pynoolwyn, Hsipaw mit ganztägigem Motorradfahren im Gebirge nicht gefunden.

    Wie sind die Pläne nach Nepal? für Indien und dann weiter?

    Stay in contact und eine schöne Zeit noch in Nepal und dann in Indien, meinem absoluten Lieblingsland.

    Bin gespannt, ob Ihr diese Reply lest und ob ich eine klitzekleine Mail-Antwort bekomme.

    Sehr herzlich
    Hanno

    Ich werde schon wieder unruhig und plane sechs Wochen Calcutta, Bangaladesh und North (vielleicht Bhutn). Im November.,

  2. 2 Simon - Feinkost / Kaviar Experte

    Ich bin von den Menschen in Myanmar auch sehr beeindruckt. Wie man bei solchen politischen Verhältnissen so offen und freundlich bleiben kann, da können wir deutschen uns was von abschneiden. Dank euch für den schöenen Beitrag.

Leave a Reply