Our Burmese Days (Part 1)

Hier also der erste Teil unseres Myanmar-Reiseberichts… etwas ausfuehrlich eben.

Allgemein:

-In Myanmar hat es keine ATMs… unser ganzes Geld haben wir in China in Dollar abgehoben: “Crisp notes”, wenn ein Schein auch nur einen Knick hat, wird er nicht angenommen. Die Dollar wechseln wir jeweils bei Hotels, bei Juwelieren, auf der Strasse, immer dann, wenn wir einen guten Kurs kriegen, einfach nie in den Banken, welche immer den schlechtesten Kurs haben.

-Internet: Man findet zwar Internet Cafes (vor allem in Grossstaedten), muss sich aber mit Speed wie zu Dial-up-Zeiten zufrieden geben. Internet-connections sind auch sehr teuer: Ueber 1000 Dollar Installationsgebuehr, dann 120 Dollar pro Monat. Unerschwinglich.

-Stromausfaelle: Total normal, manchmal 10-20 taeglich. Das Summen der Generatoren im Hintergrund ist ueblich. Frueh Abends (so ab 18.00 Uhr) ist es meist schon stockdunkel. Manchmal gingen wir dann schon schlafen…

15/11    Abenteuerliche Einreise von Ruili, China aus mit Guide “John” (alle Burmesen haben sowohl einen englischen wie auch einen burmesischen Namen, was mich enorm verwirrt) und Fahrer. Ganze drei Grenzposten passieren wir. Jedesmal werden Papiere kontrolliert, irgendwelche neuen Papiere ausgefuellt, lange Konversationen gefuehrt, Nettigkeiten ausgetauscht. Dann gehts jeweils weiter durch wunderschoen gruene, unberuehrte Landschaft. Eine sehr holprige Angelegenheit, da die meisten Strassen ungeteert sind. Mehrfach halten wir an; einmal wegen ueberhitzten Bremsen, ein andermal weil die in der Autohaube mitgeschmuggelten Hemden unter unseren Sitzen weiterverstaut werden. Nach Ankunft in Lashio gehts mit Bus weiter nach Hsipaw, in der noerdlichen Shan-provinz. Der erste Eindruck ist sehr positiv; ueberall sind die Leute freundlich und zuvorkommend.
16/11    ”Motorbike-Day”: Fruehmorgens brechen wir zusammen mit Hanno (aus Muenchen) und Celia & Gael (aus Delemont) auf, um kleine Doerfer in den Shan-huegeln zu erkunden. Auf ruestigen (chinesischen) 125 CC Motorraedern rattern wir auf “dirt roads” daher, bleiben mehrfach stecken, fallen ein paar Mal hin und werden sehr,  sehr dreckig. Um die Mittagszeit sind wir in einem kleinen Dorf der “Pelong”, wo wir per Zufall zum Essen eingeladen werden und in den Genuss lokaler Kost kommen. Unter anderem gibt es ein ziemlich bitteres (aber gutes) Gericht, welches aus Baumrinde besteht. Dann geht es weiter durch kleine Doerfer, vorbei an vielen Teeplantagen, Sesamfeldern. Ueberall treffen wir auf viele Kinder und viele streunende Hunde! Abends kommen wir voellig erschoepft aber gluecklich in unserem Guest House an.
17/11    Morgens stehen wir frueh auf, um auf dem lokalen Markt “Thin-baw-dee” (Papaya) zu suchen, welche wir so lieben. Finden leider keine, aber kaufen uns “Thanaka”-Paste. “Thanaka” ist eine Paste, eine Mischung aus geriebener Rinde des Thanaka-baumes (aehnlich wie Sandelholz) und Wasser, welche die meisten Frauen als Sonnenschutz und Hautcreme tragen. Wirkt sehr kuehlend und ist sehr angenehm. Vormittags wandern wir mit einer kleinen Gruppe zu einem nahegelegenen Wasserfall und geniessen dort ein Picknick bestehend aus burmesischem “street food”:  Meist Samosa-aehnliche, frittierte Baellchen, sehr lecker. Spaetnachmittags mieten wir Fahrraeder und fahren zum Shan-Palast, dem Haus des letzten Shanprinzen, der nach dem Militaerputsch “verschwand”. Er wurde bekannt, weil er in Colorado studierte und in seinem Land Reformen einfuehren wollte, und weil er eine Oesterreicherin heiratete (sie schrieb ein tolles Buch ueber ihre Zeit an seiner Seite). Sein Neffe “Donald” und dessen Familie wohnten nach dem Putsch im Haus und empfingen Fremde aus aller Welt, bis das Militaer auch ihn als Bedrohung empfand und ihn vor sieben Jahren zu lebenslanger Haft verurteilte (seine Frau erklaerte uns ihr Ehemann “likes to talk and tell the truth”). Nun weilt er in Mandalay im Hochsicherheitstrakt, waehrend “Fern” (die Ehefrau, eine charismatische Lady, welche wohl etwa 70 Jahre alt ist) mit ihren Grosskindern das Haus bewohnt. Etwa eine Stunde weilten wir bei ihr und fragten ihr Loecher in den Bauch ueber alles moegliche, ein unvergessliches Erlebnis.
18/11    Zugfahrt nach Pyin Oo Lwin, einer kleinen Stadt beruehmt fuer den botanischen Garten. Zug faehrt ca. 20 km/h, holprigste Fahrt unseres Lebens! Unser Abteil teilen wir uns mit einem Mann in Militaeruniform und dessen Sohn. Unterwegs schenken uns die beiden in Honig geroestete Sonnenblumenkerne, vielfach starren uns die Leute an, aber alle sind unglaublich freundlich. An allen Haltestellen kommen Verkaeuferinnen mit Speisen in grossen Koerben auf ihren Koepfen vorbei, gefuellt mit Fruechten, Nudeln, Wachteleiern. Eine Verkaeuferin setzt sich fuer die Weiterfahrt zu uns und versucht, mir Burmesisch beizubringen. Viel einfacher als Chinesisch ist es jedenfalls!
19/11    Besuch des botanischen Garten, der eine grosse Enttaeuschung ist (haetten wir uns denken koennen, den Gaerten in Hawaii wird keiner gerecht). Von den 1200 Orchideensorten, die ausgestellt sind bluehen vielleicht gerade mal sechs verschiedene. Am Nachmittag fahren wir per “Pick-up” (einem zum Bus umgebauten Truck, hintere Ladeflaeche mit Holzbaenken ausgestattet) weiter nach Mandalay, wo wir das Kloster aufsuchen, welches uns nach Myanmar fuehrte. Treffen dort den Hauptmoenchen “U Nayaka” und erkundigen uns, ob er Arbeit fuer uns hat. Spontan wird Phil zum IT-Department gefuehrt, waehrend mir eine Geschichts- und drei Englischklassen zugeteilt werden. Im “Paung Daw Oo”-Kloster gehen taeglich 7000 Schueler kostenlos zur Schule (staatliche Schulen kosten ca. 7000 khyat/Monat, Durschnittseinkommen: 30000 Khyat).
20/11    Tagesausflug mit gemietetem Taxi zu den “ancient cities” Inwa und Amarapura. Unser Fahrer “Mau Mau”, ein ca. 40-jaehriger Burmese mit roten Zaehnen (vom Kauen der hierzulande sehr beliebten Betel), erzaehlt uns, dass er einen Universitaetsabschluss in Mathematik hat und dass seine Frau ihn zwingt im Taxi zu schlafen, wenn er kein Geld nach Hause bringt. Auf dem Weg zu den alten Staedten besuchen wir eine kleine Blattgoldfabrik und eine Weberei. In Myanmar tragen Frauen und Maenner noch groesstenteils den traditionellen “loungji”, einen Wickelrock. In Inwa mieten wir uns eine Pferdekutsche und lassen uns zu den verschiedenen Tempeln und Pagoden fahren, in Amarapura bestaunen und ueberqueren wir eine unglaublich lange Bruecke aus Teakholz. Auf der anderen Seite werden gerade Moenchnovizen gefeiert mit einer komischen Prozession, welche an die Streetparade erinnert. Technomusik, als Frauen verkleidete Maenner, Taenze, und kostenloses Essen (Reis mit Curry). Nach unser Tour mit “Mau Mau” gehen wir Geld wechseln. Kriegen fuer USD 200 eine Viertelmillion Khyat, was herrlich fuer das Finanzego ist.
21/11    Erster Arbeitstag: Phil arbeitet im gekuehlten Serverraum, waehrend ich in der Hitze Englisch und Geschichte unterrichte. Bei ihm besteht das Problem darin, dass in Myanmar 10-20 Elektrizitaetsausfaelle PRO TAG die Norm sind, bei mir ist die entscheidende Frage, was ich in einer Woche beibringen kann und soll. In der Geschichtsklasse frage ich nach schon Gelerntem, und hake bei anderen Lehrern nach Lehrplan nach. Hier muss man verstehen, dass die Lehrer sehr selten als solche ausgebildet sind: Die meisten sind Schueler, welche eben abgeschlossen haben, also ca. 18 bis 22 Jahre alt. Nach einer langen Konversation sagt man mir, dass die Scheler sowohl den 1. als auch den 2. Weltkrieg behandelt haben, aber angeblich nur oberflaechlich. Bei der Befragung der Schueler stellt sich heraus, dass sie vom 2. Weltkrieg wissen, dass Deutschland verlor und dass Hitler der “Leader” war. Der Holocaust ist ihnen kein Begriff und Hitler -erklaeren sie mir- sei ein “good, strong leader” gewesen. Wo soll man also anfangen zu unterrichten? Ich entscheide mich fuer “Basics of the History of the British Empire”.
22/11    Zusammen mit ein paar anderen Maedchen vom Kloster und Louisa (aus Deutschland, welche fuer mehrere Monate im Kloster in der Naeherei mithilft) und ihren Freunden aus Berlin geniessen wir eine Schiffahrt auf dem Ayarwaddy nach Mingon, einer Stadt etwa eine Stunde flussabwaerts. Dort besuchen wir eine Pagode, sehen die zweitgroesste Glocke der Welt und geniessen ein Mittagessen bei der Mutter einer Schuelerin.
23/11    Verbringen den Morgen im Kloster; Phil nutzt das Weekend, um ein paar Installationen zu machen, ich erstelle mir einen Plan fuer die bevorstehende Woche. Nachmittags sind wir an eine burmesische Hochzeit eingeladen; eine der Lehrerinnen heiratet. In traditionellen Wickelroecken machen wir uns auf zu der “wedding hall”. In einem Saal mit etlichen Festbaenken werden wir mit Kuchen und Glace verwoehnt, waehrend das Brautpaar von Gast zu Gast geht und mit jedem ein Photo macht. Was noch witzig ist, ist die Handhabung der Geschenke. Beim Eingang des Saals sitzen an beiden Seiten an Tischen je zwei Frauen und nehmen die Geschenke entgegen. In einem Buch wird sorgfaeltig dokumentiert wer, was oder wieviel, wann geschenkt hat… unsere 10 Dollar werden fein saeuberlich eingetragen und verschwinden in der Kasse. Von einem anderen Gast erfahren wir, dass sich das Brautpaar (welches wir uebrigens gar nie richtig kennenlernten) via Chatroom kennengelernt hat und dass dies zurzeit auch ziemlich ueblich ist. Abends geniessen wir zusammen mit zwei Freunden aus Belgien “Chapatis” von einem Strassenstand und testen den “Grand Royal” Myanmar Whiskey. Der ist uebrigens erstaunlich gut, ueberreschenderweise, auf alle Faelle Welten besser als der chinesische.
24/11    2. Unterrichtstag: Spannende Geschichtsstunde mit meinen sehr neugierigen Schuelern. Machen uns mithilfe von Atlanten mit der Welt etwas vertrauter und besprechen, was ein “Empire” ist. Basics eben, aber die meisten der etwa 20 Schueler bleiben die ganzen 45 Minuten ueber bei der Sache. Meine Englischklassen sind zwar ein kleines Desaster (die Kleinsten sind 4 Jahre alt, da sind 45 Minuten Konzentration einfach unmoeglich), aber ich versuche mein Bestes. Phil wirkt bereits erste Wunder in der IT: Firewall, Proxyserver und Webcontent-Filter, DHCP etc. werden installiert, bei meinem Besuch in seinem Office stehen etwa 10 der 15 IT-Leute um ihn und schauen jedem seiner Keystrokes zu.
25/11    Radeln mit den vom Kloster geliehenen Fahrraedern fruehmorgens wieder zur Arbeit (auch in Myanmar hat es -wie in China- viele Leute, welche das Fahrrad als Fortbewegungsmittel nutzen, und aehnlich wenige Regeln) und geniessen einen weiteren produktiven Tag. Vor allem Geschichte unterrichten ist toll: Wir besprechen die Vor- und Nachteile der Burmesen als Teil eines “Empires”, ich versuche den Schuelern beizubringen, dass eine Meinung weder richtig noch falsch sein kann. Wie in China scheinen sie sehr darauf erpicht, das “Richtige” zu sagen.  “Critical thinking” ist das Motto des Tages.
26/11    Ein weiterer Tag im Kloster. Abends gehe ich mit einer  Lehrerin zu einem anderen nahegelegenen Kloster, wo wir zusammen zwei Moenchen ein wenig Englisch beibringen. Lange sprechen wir ueber den mir sehr sympathischen Theravada Buddhismus, im Anschluss erzaehlen sie mir von ihrem taeglichen Leben. Ein Moench in Myanmar darf nur zwei Mahlzeiten zu sich nehmen pro Tag, nachmittags duerfen sie nichts mehr essen. Fruehmorgens gehen sie auf die Strasse und bitten um Almosen (Essen oder Geld), studieren die “Pali”-Schriften (Pali ist die Sprache von Buddha) und besprechen untereinander das neu Gelernte. Nachmittags -und hier wird es lustig- hoeren sie Musik (ihre Sammlung umfasste auch Spears, Aguilera, und co.), schauen Filme (diese Beiden bevorzugten Actionfilme oder Sportsendungen, am liebsten Champions Leage Spiele), oder spielen Fussball und… Golf! Ein ziemlich gutes Leben… und Senderos und Federer sind zwei ihrer Lieblinge, versichern sie mir immer und immer wieder.
27/11    Bei Ankunft fruehmorgens in meiner ersten Klasse finde ich sie allesamt auf dem Boden kauernd, betend. Ein morgendliches Ritual, wie auch die Tatsache, dass sie bei Ankunft des Lehrers allesamt aufstehen und “Good Morning, Teacher sagen”. Nach der Stunde stehen sie nochmals auf und sprechen unisono: “Thank you, Teacher! For teaching us, may you be happy and healthy and have a nice day”. Besprechen in meiner Geschichtsklasse die amerikanischen Kolonien, wie und weshalb diese ihre Freiheit erlangten. Nachmittags gehe ich mit einer Englischklasse in den Zoo: Etwa 20 jubelnde Kinder, welche sich an den sehr, sehr traurigen Tieren erfreuten. Elefanten an allen Vieren angekettet, Aeffchen in Menschenkleidern, keine gute Kaefighaltung, und schlecht ausgebildetes Personal… aber mehr kann man wohl auch gar nicht erwarten. Eines der Kinder stopft sich mit zu vielen Suessigkeiten, uebergibt sich, und verbringt den restlichen Nachmittag auf einer Sitzbank, allgemein herrscht ein kleines Chaos. Abends sind wir an die Geburtstagsparty eines Maedchens eingeladen, welche ihren 21. Geburtstag feiert. Tee, Kuchen, und Nudeln werden serviert. Alkoholfrei versteht sich, denn Frauen in Myanmar trinken gar nicht, oder wenig. Von allen Maedchen die ich kennenlerne sind alle erstaunt darueber, dass ich schon einmal ein Bier getrunken hatte. Das Fest wird mehrheitlich im Dunkeln gefeiert: Immer diese Elektrizitaetsausfaelle!
28/11 Letzter Unterrichtstag… in der Geschichtslektion besprechen wir noch anhand von Indien was es braucht fuer eine Revolution, repetieren das Gelernte. Muss etwas aufpassen, um nicht ueber Politik hier in Myanmar zu sprechen. In jeder Klasse wird gespielt und Kuchen gegessen, etliche kleine Geschenke und Umarmungen an diesem Tag. Abends aus unerklaerlichen Gruenden ploetzlich 39 Grad Fieber. Phil kuemmert sich ruehrend um mich und holt mir eine riesige Papaya (die Mutter aller Papayas) und viel Wasser.

2 Responses to “Our Burmese Days (Part 1)”


  1. 1 Kathrin

    Hallo ihr Zwei! (bzw. ihr Vier ;)

    Unglaublich was ihr alles erlebt auf euren Reisen. Habe vorallem eure Burmesischen Tage verschlungen und über die wunderschönen Fotos gestaunt. Sie sind echt toll!

    Ich wünsche euch noch weiterhin ganz viel Spass mit vielen neuen und interessanten Eindrücken und natürlich: en guete Rutsch is 2009! (Achtung vor selbstgebasteltem Feuerwerk!!!;)

    Lieber Gruss,
    Kathrin

  2. 2 Martin H. Petrich

    Liebe Amelia, hallo Phil,

    bin erst heute dazu gekommen, Eure schöne Websteite anzuschauen. Wir hatten uns kurz im Shan-Palast von Hsipaw kennen gelernt. Euren blogs entnehme ich, dass Ihr noch viel Spannendes in Myanmar erlebt habt. Euch alles Gute und noch viele schöne Reiseerlebnisse.

    Martin (derzeit in Berlin)

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